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Symbol einer ganzen Region

Hochstammbäume sind mehr als hübsche Holzgewächse. Welche Bedeutung sie haben und wie aufwendig ihre Erhaltung ist, zeigt ein Besuch auf dem Bauernhof von Familie Müller in Muolen.

Er ist einer, der es genau nimmt. Und einer, dem man die Passion für sein Handwerk sofort anmerkt. Während Markus Müller durch seinen Obstgarten schreitet, zeigt er bald nach links, bald nach rechts und weiss fast zu jedem Baum etwas zu erzählen: hier eine neue Sorte, da eine spezielle Stützvorrichtung für die schwer beladenen Äste, dort die Spuren des Frosts aus dem Frühjahr. Man hat fast den Eindruck, dass er jeden einzelnen seiner rund 500 Hochstammbäume genau kennt. Was nicht erstaunlich wäre, schneidet er doch jeden einzelnen einmal pro Jahr; in aufwendiger Handarbeit, die sich von November bis März hinzieht. «Ich lege sehr grossen Wert darauf», sagt der 44-Jährige. «Nur so stimmt der Aufbau des Baums, und er kann einen optimalen Ertrag bringen.»

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Ein Herz für die Hochstämmer

Markus Müllers Absichten gehen weit über die nächste Ernte hinaus: «Solche Bäume sind eigentlich Generationenprojekte. Wenn sie gepflegt werden, bleiben sie gesund, dann hat auch die nächste Generation Freude daran und führt die Tradition weiter», erklärt der dreifache Familienvater. Er selbst konnte nicht auf eine solche Vorarbeit zurückgreifen. Der gemischte Betrieb, den er in der vierten Generation führt, setzte zuvor auf Tafelobst von Niederstammbäumen. «Ich hatte schon immer ein Herz für Hochstammbäume und konnte während meiner Ausbildung zum Betriebsleiter die ersten Bäume pflanzen. Dann sind uns kleinere Tafelobsthändler weggebrochen, und für die grossen Abnehmer waren wir zu klein.»

Zweites Standbein, alte Sorten

So sattelten er und seine Frau Claudia auf Mostobst um, was neben der Milchwirtschaft, der Rinderzucht und einigen Mastschweinen mittlerweile ihr zweitwichtigstes Standbein darstellt. Die beiden pflanzten vornehmlich altbewährte Sorten wie Boskoop, Schneider oder Bohnapfel. Mittlerweile finden sich weitere darunter. «Es ist mir ein Anliegen, spezielle Sorten zu erhalten, auch wenn sie nicht perfekt sind. Sonst verschwinden sie.» Das Wirken der Familie Müller – es ist eigentlich ein richtiges Familienunternehmen, bei dem Frau, Kinder, Grosseltern und auch mal die Schwester mitanpacken – und ihrer Berufskollegen bleibt nicht unbemerkt. «Erst gestern begrüssten wir vom St. Galler Obstverband eine Delegation aus Österreich, die sich sehr dafür interessierte, wie wir das Kulturgut Hochstammbäume erhalten haben», sagt Verbandspräsident Müller. Nicht nur im Vergleich zum Rest des Landes, sondern auch zu Österreich und Deutschland sei die Ostschweiz diesbezüglich einmalig. «Das müssen wir unbedingt weiterführen, abgesehen davon, dass es wichtige Räume für die Biodiversität sind.» Die Aufgabe ist nicht einfach. Der hohe Aufwand ist das eine. Hinzu kommt, dass man im Gegensatz zu Niederstammbäumen der Witterung vollständig ausgeliefert ist. Dieses Jahr hatten die Müllers Glück. Den Frost überstanden die Kulturen glimpflich. Auch der Hagel machte einen Bogen um ihren Betrieb – wenn auch nur knapp. So dürfen sie sich über eine reiche Ernte freuen: «Mit den vielen Sonnenstunden dieses Jahr erwarten wir eine Topqualität», sagt Markus Müller und hofft, in Zukunft genügend Abnehmer für sein Obst zu finden. «Für uns steht und fällt es mit der Verwertung. Wir haben mit der Mosterei Möhl zum Glück einen starken Partner. Aber auch in Randgebieten ist es wichtig, Abnehmer zu haben, die einen fairen Preis zahlen.» Die Rechnung für die Obstbauern muss aufgehen, vom Idealismus allein kann man leider nicht leben.